In Europa werden immer wieder Zentren zur unterstützen der lokalen Ökosysteme entwickelt und etabliert. Ziel ist es, durch geeignete Gestaltung den Austausch zwischen den Ökosystempartnern zu stärken, um so disruptive Impulse zu generieren, die einen Entwicklungsimpuls geben.
Nachfolgend wird eine Auswahl an erfolgreichen Zentren vorgestellt, die aber auch unterschiedliche Ziele und Anwendungskontexte inkorporieren. So wird versucht auch losgelöst von dem vorgestellten Konzept eine Übertragung von erfolgsversprechenden Konzepten zu ermöglichen.
The EDGE
Das Gebäude THE EDGE wurde für das internationale Beratungsunternehmen Deloitte entwickelt. Unter dem Anspruch, ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit und Innovationskraft zu erfüllen, entwarfen die Architekten von PLP Architecture ein Bürogebäude mit 40.000 Quadratmetern Bürofläche. Das Gebäude erzeugt mehr Energie als es verbraucht und wirkt sich somit positiv auf die Umwelt aus. Es befindet sich im Amsterdamer Stadtteil Zuidas. Dieser entwickelt sich rasch zu einem der wichtigsten und vielseitigsten Geschäftsviertel Europas. Der Standort im Zuidas-Viertel bietet eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, das Radwegenetz und natürlich an die Eisenbahn und die Straßen.
Das als ökologisch nachhaltigstes Bürogebäude der Welt zertifizierte Gebäude enthält eine bemerkenswerte Mischung von Technologien, die zu der positiven Auszeichnung führten. Die äußere Form sieht nicht innovativ aus, aber die Fenster auf der Südseite sind vollständig mit unsichtbaren polaren Paneelen bedeckt, um Energie zu erzeugen und die Strahlung zu begrenzen, die in das Gebäude eindringt und es zu sehr aufheizt. Dies und die besondere Form (äußere Geometrie, aber auch die Lage der Bürobereiche im Inneren) verringern den Energiebedarf zur Aufrechterhaltung der Temperatur im Gebäude. Das Innenraumklima wird durch passive Belüftung erzeugt. Um die Temperatur stabil zu halten, speichert ein Aquifer tief unter dem Gebäude Wärmeenergie, um das passive Temperaturregelungssystem zu unterstützen. Außerdem wird das Regenwasser gesammelt, um es für die Toiletten und die Bewässerung aller Grünflächen im und um das Gebäude zu verwenden.

Die in das Gebäude integrierte Technologie schafft nicht nur ein grünes Gebäude, sondern zielt auch darauf ab, hervorragende Arbeitsbereiche für alle Mitarbeiter zu schaffen, die innovative Denkprozesse ermöglichen. Das 15-stöckige Atrium wirkt wie eine Lunge, um die Büros zu belüften. Um diese Atmosphäre zu unterstützen, gibt es viele Aspekte, die Transparenz schaffen und den Austausch und die Verbindung fördern. Im Sockel des Atriums befinden sich ein Restaurant, Cafés, Ausstellungsräume sowie Konferenzräume. Da die Mitarbeiter keine festen Arbeitsplätze haben, ist es auch ein Testlabor für radikal neue Arbeitsorganisationen. Darüber hinaus können die Mitarbeiter ihr lokales Umfeld (Licht- und Klimaeinstellungen) über eine App steuern, um optimal passende Rahmenbedingungen zu erreichen1.
Zentrum für virtuelles Engineering
Das Fraunhofer IAO arbeitet seit dem Jahr 2000 an innovativen Arbeitsumgebungen und -räumen. Ein erstes Innovationsfeld war die Büroarbeit, da sich Büros seit Jahren nicht verändert haben, obwohl neue Technologien eingeführt wurden. Um innovative Büroumgebungen und zukunftsweisende Gebäudestrukturen miteinander zu verbinden, wurde das gesamte wissenschaftliche Know-how in den Bereichen Virtual Engineering und Workspace-Innovation in die Gestaltung des Zentrums für Virtuelles Engineering ZVE eingebracht. Ein digitaler Planungs- und Konstruktionsprozess wurde mit einer 3D-Visualisierung in der virtuellen Realität kombiniert. Dies ermöglichte es den Entwicklern, Aspekte der komplexen Gebäudestruktur viel einfacher zu parametrisieren und zu verändern. Dieser Ansatz unterstützte sogar, dass die Bauteile mit halbautomatischen Systemen hergestellt werden konnten. An der Realisierung des Gebäudes waren der Architekt Ben van Berkel von UNStudio Amsterdam und die Architekten von ASPLAN Kaiserslautern beteiligt.
Das Zentrum für Virtuelles Engineering wurde als Haus der Wissensarbeit konzipiert, das sowohl die Forschung auf technologischen Gebieten als auch die Erprobung innovativer Arbeitsumgebungen einbezieht. Ziel ist es, dass Wissenschaftler zu Fragen der innovativen Arbeitsgestaltung, der Mobilität der Zukunft, der visuellen Technologien und des Virtual Engineering optimal forschen können. Wissenschaftliches Know-how aus dem Institut floss sowohl in die Gestaltung des Gebäudes als auch in die zukunftsweisenden Labor- und Bürowelten ein. Auch mit dem Thema Licht und seiner Wirkung auf den Menschen am Arbeitsplatz haben sich die Wissenschaftler auseinandergesetzt.
Alle Büroflächen sind auf jeder Ebene des 4-geschossigen Gebäudes um ein offenes Atrium angeordnet. Diese vertikale, offene Achse mit dynamisch angeordneten Treppen verbindet die verschiedenen Arbeitsbereiche im Gebäude miteinander. Dadurch werden Begrenzungen und Barrieren reduziert, um eine offene Kommunikation auch zwischen verschiedenen Einheiten zu unterstützen. Außerdem sind Labore und Büros nicht strikt voneinander getrennt, um die Hauptbereiche der Wissensarbeit – Labor, Büro und Gruppendiskussion – miteinander zu verbinden. Dies verkürzt die räumlichen Distanzen und optimiert die Kommunikation innerhalb der Projekt- und Strukturorganisationsteams. Das Gebäude unterstützt vernetzte, nicht-territoriale Arbeitsweisen. Der Ansatz der Living Labs, die Büro- und Forschungstätigkeit nicht trennen, schafft ein optimales Umfeld, um für jede Aufgabe in einem typischen Multiprojekt-Arbeitsumfeld das passende Setting zu wählen. Die Verbindung der verschiedenen Etagen ist nicht nur durch die Treppenhäuser gewährleistet. Die unterschiedlichen Höhen der Büros und Labore schaffen einen transparenten Einblick in die einzelnen Ebenen und die dort geleistete Arbeit. Die Flexibilität in der Nutzung erhöht sich mit jeder Ebene im Gebäude. Im Erdgeschoss ist durch die installierte Technik die Arbeit mit technologischen Innovationen in den Bereichen Zukunftsvisualisierung, Smart Manufacturing und zukünftige Mobilitätskonzepte möglich. Die Arbeit in den beiden Obergeschossen zeichnet sich durch die Vielfalt der dort durchgeführten Projekte aus, die eine flexible und ständig wechselnde Besetzung mit unterschiedlichen Fachleuten beinhalten können. Nur bestimmte Funktionsgruppen, wie z.B. die Teamassistenten, haben feste Arbeitsplätze.
Aus der Form und der Idee, die hinter dem Gebäude steht, lässt sich die Komplexität ableiten. Als Werkzeug zur Unterstützung der Visualisierung von komplexen dreidimensionalen Produkten und Objekten macht die virtuelle Realität diese greifbar. Darüber hinaus ermöglicht der digitale Planungsprozess auch verschiedene sekundäre Aspekte mit den Daten. So konnten durch die Simulation verschiedene Schritte in der Planungs- und Bauphase verifiziert werden. Während der Planung wurden verschiedene Aspekte simuliert, um Einflüsse auf die Leistungsfähigkeit der Gebäude zu prognostizieren. Es war möglich, die Simulationen der akustischen, thermischen und lichttechnischen Bedingungen anhand von 3D-Modellen zu analysieren. Durch die Einbindung der Ergebnisse in die nächsten Planungsschritte wurde sichergestellt, dass nach der Errichtung ein voll funktionsfähiges Gebäude vorliegt.
Die Anwendung eines vollständig integrierten Planungs- und Bauprozesses war jedoch neu in der Bauindustrie. Der Ansatz, der heute als Building Information Modeling (BIM) bekannt ist, wurde zum ersten Mal entlang der Entwicklungs-, Planungs- und Realisierungsprozesse eingesetzt. Daher war es ein eigenes Forschungsprojekt zur Optimierung der eingesetzten Technologien und Verfahren.
Da das Gebäude innovationsgetrieben ist und als Vorbild für andere dienen soll, sollten Maßnahmen zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Das Energiekonzept für das Gebäude sah die Nutzung von Erdwärme mit 170 Meter tiefen Sonden vor, um erneuerbare Energie für die Beheizung des Gebäudes zu gewinnen. Die Anlage wurde durch Wärmetauscher und thermisch aktivierte Decken zur Kühlung und Grundlastheizung ergänzt. Neben den wassergefüllten Rohren enthalten die Decken auch luftgefüllte Kunststoffkugeln. Für den Bau dieser Hohlblockdecken wurde weniger Beton benötigt, wodurch die statische Belastung verringert wurde und die Decke größere Entfernungen ohne weitere störende Stützen überbrücken kann.

Die Verwaltung des Gebäudes wird von einem innovativen Automatisierungssystem übernommen. Die Lüftungsanlage wird so gesteuert, dass in allen Räumen optimal temperierte Frischluft zur Verfügung steht. Dies geschieht in Kombination mit der Steuerung der Lüftungspaneele, die die Lufttemperatur regeln, wenn die Wetterbedingungen das Innenraumklima begünstigen. Die aktivierten Decken sorgen das ganze Jahr über für eine stabile Raumtemperatur, wobei das System Energie aus dem Erdreich und Abwärme gewinnt, die im Sprinklertanksystem gespeichert wird. Die Abwärme, die vor allem aus den Computerräumen oder den Hochleistungsprojektoren in den Virtual-Reality-Laboren stammt, wird gesammelt. Zur Steuerung des Raumklimas analysiert das Energiemanagementsystem verschiedene Parameter, um den Betrieb des Gebäudes zu optimieren und dabei auch die Vorlieben der „Bewohner“ – wie die Forscher in den Büros manchmal genannt werden – zu berücksichtigen.
Matrix ONE
Die Matrix One wurde entwickelt, um den aktuellen Ansätzen der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft voraus zu sein. Die wichtigsten Aspekte, die dabei berücksichtigt wurden, waren die Demontage von Teilen und die Wiederverwendbarkeit. Das Matrix One befindet sich im Amsterdam Science Park. Auf der Grundlage von Zertifikaten übertrifft das Gebäude nicht nur die Anforderungen an die Energieeffizienz, sondern bis zu 90 % der installierten Komponenten und Strukturen können vollständig demontiert und wiederverwendet werden2.
Das sechsstöckige Gebäude bietet 13.000 Quadratmeter Produktionsfläche. Eine der Hauptnutzungen sind Büros und Labors für verschiedene Technologieunternehmen. Neben diesen Räumen bietet das Gebäude ein soziales Treppenhaus mit vielen Bereichen zum Sitzen und Kommunizieren oder zum Arbeiten zwischen zwei Veranstaltungen. Dank der großen Glasfassaden nutzt das Gebäude so viel natürliches Licht wie möglich. Die Gebäudekonzepte sehen ein Restaurant, ein Café und ein Atrium vor.
Das Gebäude mit seinem aktuellen Nachhaltigkeitsansatz ist einzigartig, weil alle inneren Strukturen über zugängliche Befestigungsschrauben verbunden sind, es ist hochgradig anpassungsfähig an sich ändernde Bedingungen. Außerdem sind alle Komponenten und Segmente in einer Online-Datenbank katalogisiert, die einen Umbau auch nach dem Ende der Lebensdauer ermöglicht. Aber nicht nur diese Aspekte wirken sich positiv auf seine Umweltbilanz aus. Neben allen Maßnahmen zur Minimierung des Energieverbrauchs durch Nutzung von möglichst viel natürlichem Licht, natürlicher Belüftung sowie adiabater Kühlung und Fußbodenkühlung zur Aufrechterhaltung eines stabilen Raumklimas erzeugen Solarzellen auf dem Gründach Energie. Falls zusätzlicher Heizbedarf besteht, kann eine unterirdische Wärmepumpe zur Regulierung der Raumtemperatur eingesetzt werden. Außerdem wird das Regenwasser gesammelt und aufbereitet, um es im Gebäude wiederzuverwenden3.

Der soziale Aspekt der Schaffung von Innovation wird durch das große soziale Treppenhaus gewährleistet, das alle Etagen mit verschiedenen Möglichkeiten der Begegnung verbindet. Das in das Treppenhaus integrierte Atrium bietet Platz für 100 Personen und bietet die Möglichkeit, auch funktionsübergreifende Veranstaltungen abzuhalten. Überall finden Besucher und Mitarbeiter kleine Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Installationen von Stützkonstruktionen vor. Wie THE EDGE wird auch das Atrium genutzt, um durch die Belüftung verschiedener Kühl- und Heizbereiche ein geeignetes Raumklima zu erzeugen. Es unterstützt auch den Luftaustausch des Gebäudes.
Ein Gebäude kann die Umgebung beeinflussen, ein positiver Beitrag ist ebenfalls geplant. Das begrünte Dach isoliert zum einen die obersten Stockwerke vor zu starker Aufheizung. Zum anderen bietet es ein vielfältiges Nahrungsangebot für Tiere aller Art (z.B. Vögel, Insekten und Eidechsen). Die Abdeckung der Fassade ist so konzipiert, dass sie auch Vögeln und Insekten Nistplätze bietet.
Weitere ähnliche Gebäude


- Garofalo F (2015) The Edge in Amsterdam. The most sustainable office building in the world. https://www.lifegate.com/the-edge-amsterdam-most-sustainable-building ↩︎
- Jung Büro- und Laborgebäude Matrix One in Amsterdam | Elektro | Forschung/Industrie | Baunetz_Wissen. https://www.baunetzwissen.de/elektro/objekte/forschung-industrie/buero–und-laborgebaeude-matrix-one-in-amsterdam-8332130 ↩︎
- Nair A (2023) Matrix One. An Innovative Pinnacle of Sustainable and Reusable Architecture. https://unboxedmagazine.com/news/matrix-one-an-innovative-pinnacle-of-sustainable-and-reusable-architecture/ ↩︎
- (2018) Corso Como Place, a crossroads between tradition and change. https://coima.com/en/urban-stories/corso-como-place ↩︎
- (2024) Corso Como Place. https://www.ceas.it/en/project/corso-como-place/ ↩︎
- (2016) Sky Central / AL_A + PLP Architecture + HASSELL. https://www.archdaily.com/802043/sky-central-al-a-plus-plp-architecture-plus-hassell ↩︎
- Mathey F (2016) Sky News broadcasts from new studios for first time. https://pressgazette.co.uk/publishers/broadcast/sky-news-broadcasts-from-new-studios-for-first-time/. Zugegriffen: 03. Juni 2024 ↩︎